Eines der ersten Großkinos der Stadt Florenz war das Odeon. Es befindet sich noch heute auf der Piazza Strozzi direkt neben dem gleichnamigen palazzo und ist wegen seiner größtenteils noch originalen Einrichtung sehr sehenswert!

Das Gebäude selber, der Palazzo Strozzino, entstand um die Mitte des 15. Jahrhundert angeblich nach Zeichnungen des berühmten Architekten Filippo Brunelleschi (Domkuppel!) und unter Mitarbeit von Michelozzo. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verblieb es in der Obhut der Familie Strozzi, ging dann in den Besitz von Carlo Ginori Lisci über, der es an die Stadt verkaufte. Diese wiederum veräußerte es 1904 an die Familie Chiari, die sich 1914 auf Vorschlag der berühmten italienischen Schauspielerin Eleonora Duse dazu entschied, hier einen großen eleganten Kinosaal einzurichten. Infolge des Krieges blieb das Projekt aber im Anfangstadium stecken und 1919 erwarb die Compagnia Cinema Italo-Americano (italienisch-amerikanische Kinogesellschaft) das Gebäude. Deren Präsident, der griechischstämmige Alessandro Abolaf, ließ die Arbeiten durch den Architekten Marcello Piacentini wieder aufnehmen, wofür ein Teil des ursprünglichen Komplexes abgerissen werden musste, und am 14. Dezember 1922 konnte endlich die Einweihung gefeiert werden.

Betritt man das Kino heute durch die überdachte filigrane Glas-Metall-Konstruktion, kommt man zuerst in ein langgestrecktes Atrium, in dem das Kassenhäuschen und ein Verkaufsladen untergebracht sind. Links und rechts von der Kasse betritt man den Kinosaal, die seitlichen Treppen führen auf die Empore. Im Inneren öffnet sich ein großer ovaler Jugendstilsaal mit gelber Bestuhlung, schönen Ornamenten und einer großen gläsernen Kuppel. Über der Leinwand ist eine Inschrift angebracht: „Chi vuol essere lieto sia/ di doman non c’e certezza“ („Wer fröhlich sein möchte, sei es/ bezüglich morgen gibt es keine Sicherheit“). Dieser Ausspruch stammt aus einem Gedicht, welches der Hand des berühmten Stadtfürsten Lorenzo de’ Medici zugeschrieben wird. Ob es nun von ihm direkt stammt oder nicht, zeitgenössisch ist es jedenfalls (15. Jh.) und überliefert im Canzona di Bacco (Bacchuslied) der Canti carnascialeschi (Karnevalslieder)!

Wir sahen übrigens den Film „Panzerkreuzer Potemkin“ (auf italienisch „La Corazzate Potemkin“) des russischen Regisseurs Sergei Eisenstein, der zeitlich passend 1925 uraufgeführt wurde. Ein beeindruckendes Stück (propagandistischer) Filmgeschichte in einem nicht minder beeindruckenden Kino!

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